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AmalgamfĂŒllung
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Eine AmalgamfĂŒllung, umgangssprachlich auch „Plombe“ (von lateinisch plumbum ‚Blei‘) genannt, ist eine ZahnfĂŒllung aus Quecksilberlegierungen. Es ist kein spezifisches Material, sondern eine Werkstoffgruppe.

Contents

‱ Geschichte
‱ Alternativen
‱ Diagnostik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Es gibt Hinweise darauf, dass Zahnamalgam bereits zu Beginn der Tang-Dynastie (chinesisch ć”æœ, Pinyin tĂĄng chĂĄo) in China (618–907 n. Chr.) als FĂŒllungsmaterial verwendet wurde, wie man Schriften des chinesischen Arztes Su Kung (è”Œć“­ć—Ż) aus dem Jahre 659 entnehmen kann. Als „silberner Teig“ kehrt Amalgam im Ta-Kuan Pent-ts'ao (ć€§è§‚èą«ćŽ‹æŠ‘çš„æ›č操) um 1107 wieder. Auch in der Ming-Periode (chinesisch 明朝, Pinyin mĂ­ng chĂĄo) wird die Legierung 1505 und 1596 (von Li Shi-Zhen 李时珍) erwĂ€hnt. 1505 beschreibt Liu Wen t'ai (战雯揰) die genaue Zusammensetzung: „100 Teile Quecksilber, 45 Teile Silber und 900 Teile Zinn, die in einem eisernen Topf zu verrĂŒhren sind.“.cite-ref-pmid2694433-1-0[1] Der Stadtarzt von Ulm, Johann Stocker, erwĂ€hnt die FĂŒllung in seinem Buch Ad dolorem dentium von 1513, in seinem ArzneibĂŒchlein Praxis aurea von 1528 ist ein Rezept ĂŒberliefert, und eine AmalgamfĂŒllung wurde bei Anna von Braunschweig nachgewiesen.cite-ref-pmid2694433-1-1[1]cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Er benennt die Paste auch erstmals als Amalgam.cite-ref-4[4]

Die erste Verwendung in neuerer Zeit wird dem Zahnarzt I. Regnart im Jahre 1818 zugeschrieben, wobei dies umstritten ist und auch die Namen Thomas Bell und Taveau genannt werden. Seit 1820 wurde es, das teure zuvor ĂŒbliche Goldcite-ref-5[5] ersetzend, massenhaft als FĂŒllungsmaterial verwendet. ZahnĂ€rztliches Amalgam entsteht durch das Vermischen, sogenanntes Triturieren, von jeweils etwa 50 % reinem Quecksilber und einer Feilungsmischung verschiedener Metalle zu einer plastischen Masse, die nach kurzer Zeit (ca. 3–5 Minuten) erhĂ€rtet. Im Laufe der Zeit wurden Zusammensetzung und Verarbeitung grundlegend weiterentwickelt.cite-ref-frankenberger-6-0[6]

Verwendung als ZahnfĂŒllung

→

Hauptartikel

:

FĂŒllungstherapie

Eine hĂ€ufige Anwendung der Amalgame ist die Verwendung als FĂŒllung fĂŒr ZĂ€hne, heute ausschließlich in der Form von Silberamalgam („Edelamalgam“),cite-ref-hilp-7-0[7] das den Namen wegen seines Silberanteils erhielt. Silberamalgam hat das ĂŒberwiegend vorher verwendete Kupferamalgam ersetzt, das als zweiten Hauptbestandteil Kupfer statt Silber enthĂ€lt und bis in die erste HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts ebenfalls als Material fĂŒr ZahnfĂŒllungen verwendet wurde.cite-ref-8[8] Wegen seiner geringeren chemischen BestĂ€ndigkeit und der umweltschĂ€dlichen Verarbeitung (es wurde vorgemischt geliefert und musste zur Verarbeitung durch Erhitzen erweicht werden) ist es Silberamalgam unterlegen.

Silberamalgame bestehen zu 50 % aus Quecksilber und zu 50 % aus einer sogenannten Feilmischung. FrĂŒher verwendete Mischungen (Gamma-2-haltige Amalgame) waren schwĂ€cher beanspruchbar und wegen der Gamma-2-Phase (Quecksilber-Zinn-Phase, Sn8Hg) korrosionsanfĂ€lliger als die ĂŒbrigen Phasen der Legierung.cite-ref-hilp-7-1[7] Die an der OberflĂ€che gebildeten Zinnoxide bei der Korrosion Gamma-2-haltiger Amalgame sind unlöslich, elementares Quecksilber wird freigesetzt.cite-ref-zahnerhaltung-9-0[9]

Sn 8 Hg + 6 O 2 + 4 H 2 O ⟶ ⟶ 2 SnO + 2 Sn ( OH ) 2 + 2 SnO 2 + 2 SnO ( OH ) 2 + Hg {\displaystyle {\ce {Sn8Hg + 6 O2 + 4 H2O -> 2 SnO + 2 Sn(OH)2 + 2 SnO2 + 2 SnO(OH)2 + Hg}}}

Wenn das frei gewordene Quecksilber in die FĂŒllung wandert, bildet es mit Silber eine Gamma-1-Phase (Ag5Hg6). Dies fĂŒhrt zu einer Expansion der FĂŒllung, unter Kaudruck splittern FĂŒllungsrĂ€nder ab, was eine SekundĂ€rkaries begĂŒnstigen kann.

Die seit den 1980er Jahren verwendeten Feilmischungen setzen sich aus mindestens 40 % Silber, maximal 32 % Zinn, mindestens 12 %cite-ref-zahnerhaltung-9-1[9] und maximal 30 % Kupfer, maximal 5 % Indium, maximal 3 % Quecksilber und maximal 2 % Zink zusammen.cite-ref-bfarm-brosch-re-10-0[10] Diese in der Zahnheilkunde ĂŒblichen Non-Gamma-2-Phase-Silberamalgame (Gamma-2-freie Amalgame) enthalten etwas mehr Kupfer und weniger Zinn als frĂŒhere Mischungen und sind dadurch korrosionsbestĂ€ndiger.

Nach Vorbereitung wird Zahnamalgam im plastischen Zustand in den exkavierten Hohlraum des Zahnes eingebracht und erhĂ€rtet anschließend.cite-ref-frankenberger-6-1[6]

In einer In-vitro-Studie wurde gezeigt, dass das HinzufĂŒgen von Titan (Ti)-Nanopartikeln in zwei hĂ€ufig verwendeten Marken von Dentalamalgam zu einer geringfĂŒgigen Verringerung der Hg-Dampffreisetzung um wenige Prozent fĂŒhrt. Die Abnahme der Hg-Dampffreisetzung aufgrund der Ti-Zugabe wurde durch die Bildung starker kovalenter Hg-Ti-Bindungen erklĂ€rt, die die VerfĂŒgbarkeit von Hg-Atomen fĂŒr die Verdampfung verringern. Die Ti-Atome, die ĂŒber die Löslichkeitsgrenze von Ti in Hg hinausgehen, bleiben in den Korngrenzen, was auch die Verdunstung von Hg aus dem Amalgam verringert. Die Verbindung von Hg mit Ti fĂŒhrt auch zu einer deutlichen Verbesserung der mechanischen Eigenschaften wie der Vickers-HĂ€rte um 65 %.cite-ref-11[11]

GrĂŒnde fĂŒr die Verwendung von Amalgam

Der Vorteil von Amalgam als FĂŒllungsmaterial liegt in der relativ einfachen, auch unter schwierigen Bedingungen im Mund weitgehend fehlertoleranten Verarbeitungcite-ref-verbraucherzentrale-12-0[12] und in seiner Haltbarkeit, die bei vergleichbar korrekter Verarbeitung auch heute noch mit keinem anderen plastischen Material erreicht werden kann. Es zeichnet sich insbesondere als FĂŒllung fĂŒr große Defekte im Seitenzahnbereich auscite-ref-verbraucherzentrale-12-1[12] und gilt als verlĂ€ssliches Restaurationsmaterialcite-ref-frankenberger-6-2[6]. Wegen seiner Feuchtigkeitstoleranz und Schnitzbarkeit ist Zahnamalgam auch in tiefen, subgingivalen Bereichen (unterhalb des Zahnfleischsaums) geeignet.cite-ref-frankenberger-6-3[6]

Der zeitliche Aufwand bei der Anfertigung ist bei Amalgam geringer als bei KunststofffĂŒllungen. Außerdem ist Amalgam teilweise preisgĂŒnstiger als moderne FĂŒllungskunststoffe, deren Vorteile hauptsĂ€chlich in der zahnĂ€hnlichen Farbe und der Möglichkeit einer adhĂ€siven Befestigung an der Zahnhartsubstanz bestehen. Silberamalgame entfalten zudem einen karieshemmenden Effekt wegen der bakteriziden Wirkung des enthaltenen Silbers. Nachteilig wirkt sich die dunkle Farbe aus, außerdem wird viel Zahnhartsubstanz im Zuge der PrĂ€paration geopfert.cite-ref-13[13]

Zahnamalgam ist in Deutschland ein Medizinprodukt – es ist hierbei als Risikoklasse IIa zugelassen.cite-ref-frankenberger-6-4[6] Nach Angaben der KassenzahnĂ€rztlichen Bundesvereinigung betrug der Anteil an AmalgamfĂŒllungen in Deutschland im ersten Quartal 2021 in den alten BundeslĂ€ndern 4,1 %, in den neuen BundeslĂ€ndern 8,4 %.cite-ref-14[14]

ZahnfĂŒllungen aus Amalgam werden seit Jahrzehnten weltweit in großer Zahl verwendet. Die ĂŒberwiegende Zahl der epidemiologischen und toxikologischen Studien hat bisher keine Gesundheitsgefahren gezeigt.cite-ref-verbraucherzentrale-12-2[12]cite-ref-zahnerhaltung-9-2[9] Gelegentlich tritt eine harmlose Pigmentierung der Mundschleimhaut (AmalgamtĂ€towierung) auf.

Alternativen

Alternative KompositfĂŒllungen (Glasionomerzement, Komposit, Ormocer) sind heute etwa ebenso lange haltbar wie AmalgamfĂŒllungen, die adĂ€quate Verarbeitung und BerĂŒcksichtigung von IndikationseinschrĂ€nkungen vorausgesetzt.cite-ref-15[15] Bei großen Defekten und schwierigen klinischen Situationen wie schlechter Mundhygiene und bestimmten Allgemeinerkrankungen zeigen sie im Vergleich zu Amalgamrestaurationen eine geringere Langlebigkeit.cite-ref-frankenberger-6-5[6]

KompositfĂŒllungen bestehen zu ca. 20 % aus Kunststoffen und ca. 80 % aus feinsten Glas-, Keramik oder Quarzteilchen. FĂŒr bestimmte Indikationen sind Kompositkunststoffe eine Alternative zu Zahnamalgam, wenngleich kein adĂ€quater Ersatz.cite-ref-frankenberger-6-6[6] Sie können Dentalamalgam nicht immer ersetzen: Ihr Einsatz ist insbesondere im Seitenzahnbereich geeignet, „allenfalls fĂŒr nicht kaudruckbelastete und allseits von Zahnschmelz umgebene FĂŒllungen“.cite-ref-16[16] Zudem können die in KunststofffĂŒllungen befindlichen Monomere Allergien auslösen; das enthaltene Bisphenol A entfaltet eine östrogenartige Wirkung.cite-ref-hempel-17-0[17]

Inlays (Goldinlays, Keramikinlays) und GoldhĂ€mmerfĂŒllungen sollten bei großen Zahndefekten genutzt werden, hierfĂŒr ist Kunststoff ungeeignet. Aus toxikologischer Sicht sind sie unbedenklich. Keramikinlays werden jedoch nicht wie GoldfĂŒllungen zementiert, sondern mit Kunststoff (chemisch identisch mit KunststofffĂŒllungen) eingeklebt, wobei in AusnahmefĂ€llen ein Allergiepotenzial besteht. Insgesamt sind sie klinisch in allen Belangen positiv evaluiert, aber betrĂ€chtlich teurer als Dentalamalgam.cite-ref-frankenberger-6-7[6]

EinschrĂ€nkung fĂŒr die Anwendung von AmalgamfĂŒllungen

‱ Amalgame dĂŒrfen nicht verwendet werden

‱ fĂŒr retrograde WurzelfĂŒllungen,
‱ als Material fĂŒr Stiftaufbauten unter Kronen oder BrĂŒcken,
‱ als Verschlussmaterial fĂŒr trepanierte gegossene Kronen,
‱ bei eingeschrĂ€nkter Nierenfunktion.cite-ref-18[18]
‱ in unmittelbarer NĂ€he zu anderen Metallrestaurationen (Inlays, Teilkronen oder Kronen), da durch die Bimetallkorrosion im Mund vermehrt Quecksilberionen aus dem Amalgam gelöst werden können (elektrogalvanische Korrosion).cite-ref-zahnerhaltung-9-3[9]

‱ Seit dem 1. Juli 2018 darf Dentalamalgam nicht mehr fĂŒr die zahnĂ€rztliche Behandlung von MilchzĂ€hnen, von Kindern unter 15 Jahren und von Schwangeren oder Stillenden verwendet werden, es sei denn, der Zahnarzt erachtet eine solche Behandlung wegen der spezifischen medizinischen Erfordernisse bei dem jeweiligen Patienten als zwingend notwendig.cite-ref-19[19] Wegen der ohnehin begrenzten Verweildauer von MilchzĂ€hnen im Mund steht bei dem Verzicht hierbei eine „umweltbedingte Reduktion der Verwendung von quecksilberhaltigen Produkten“ im Vordergrund.cite-ref-schmalz-20-0[20] Daher ist dort die Verwendung von Kompositen, Glas-Ionomeren und Kompomeren möglich.cite-ref-umweltmedizinischer-21-0[21] Bei Kindern unter 15 Jahren sowie Stillenden ist die Forderung auf einen Verzicht wissenschaftlich nicht begrĂŒndet. Es gibt keinen Beleg fĂŒr eine SchĂ€digung des Embryos durch Amalgam, aus VorsorgegrĂŒnden wird bei Schwangeren generell ZurĂŒckhaltung bei einer umfangreichen zahnĂ€rztlichen Versorgung gefordert.
‱ Seit dem 1. Januar 2019 darf Dentalamalgam nur noch in vordosierter, verkapselter Form verwendet werden. Die Verwendung von Quecksilber in loser Form durch ZahnĂ€rzte ist verboten.cite-ref-eu-quecksilberverordnung-22-0[22]
‱ Ab dem 1. Januar 2025 ist die Verwendung von Amalgam in der Zahnmedizin EU-weit weitestgehendcite-ref-23[23] verboten.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]

Sicherheitswarnung in den USA fĂŒr Hochrisikogruppen

Die US-Behörde fĂŒr Lebens- und Arzneimittel (FDA) empfahl 2020, die Verwendung von Zahnamalgam bei sogenannten Hochrisikogruppen einzuschrĂ€nken.cite-ref-fda-26-0[26] Der Grund hierfĂŒr ist, dass diese Gruppen empfindlicher auf amalgambedingte QuecksilberdĂ€mpfe reagieren und somit auch ein erhöhtes Risiko fĂŒr gesundheitliche BeeintrĂ€chtigungen haben können.

‱ Schwangere, Frauen mit Kinderwunsch oder stillende Frauen
‱ Kinder, besonders im Alter unter sechs Jahren
‱ Personen mit neurologischen Erkrankungen
‱ Patienten mit beeintrĂ€chtigter Nierenfunktion
‱ Personen mit bekannten Allergien gegen Quecksilber oder andere Bestandteile der AmalgamfĂŒllung

Intakte FĂŒllungen sollen aber nicht ersetzt werden.

Kostenerstattungen der gesetzlichen Krankenkassen

In Deutschland ĂŒbernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten fĂŒr FĂŒllungen im „kaudrucktragenden Seitenzahnbereich“, wenn anerkannte und erprobte plastische FĂŒllungsmaterialien gemĂ€ĂŸ ihrer medizinischen Indikation verwendet werden. Die aktuellen Gebrauchs- und Fachinformationen und Aufbereitungsmonographien sollen berĂŒcksichtigt werden. Die Festlegung auf Amalgam als Standardmaterial wurde bei der Überarbeitung der Behandlungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (2004) entfernt.cite-ref-27[27] WĂ€hlen Versicherte bei ZahnfĂŒllungen eine darĂŒber hinausgehende Versorgung, haben sie die Mehrkosten selbst zu tragen. In diesen FĂ€llen ist von den Kassen die vergleichbare preisgĂŒnstigste plastische FĂŒllung als Sachleistung abzurechnen.cite-ref-28[28]

Im Frontzahnbereich sind in der Regel adhĂ€siv befestigte FĂŒllungen (z. B. Komposite) das Mittel der Wahl. Mehrfarbentechnik im Sinne einer Ă€sthetischen Optimierung ist nicht Bestandteil der vertragszahnĂ€rztlichen Versorgung.

AdhĂ€siv befestigte FĂŒllungen im Seitenzahngebiet sind nur in AusnahmefĂ€llen Bestandteil der vertragszahnĂ€rztlichen Versorgung:

‱ wenn Amalgam als „absolut kontraindiziert“ gilt und der „Nachweis einer Allergie gegenĂŒber Amalgam bzw. dessen Bestandteilen gemĂ€ĂŸ den Kriterien der Kontaktallergiegruppe der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Dermatologie erbracht wurde bzw. wenn bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz neue FĂŒllungen gelegt werden mĂŒssen.“cite-ref-29[29]
‱ bei der zahnĂ€rztliche Behandlung von MilchzĂ€hnen, von Kindern unter 15 Jahren und von Schwangeren oder Stillenden verwendet werden, es sei denn, der Zahnarzt erachtet eine solche Behandlung wegen der spezifischen medizinischen Erfordernisse bei dem jeweiligen Patienten als zwingend notwendig.cite-ref-30[30]

In diesen FĂ€llen sind „KompositfĂŒllungen im Seitenzahnbereich (
) entsprechend der AdhĂ€sivtechnik“ Kassenleistung.cite-ref-31[31]

Ein Austausch intakter AmalgamfĂŒllungen fĂ€llt nicht in die Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung, wie das Bundessozialgericht wiederholt festgestellt hat.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]

Diese EinschrĂ€nkungen wurden als Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Als zuzahlungsfreie Alternative zu Amalgam erkennen die gesetzlichen Krankenkassen ab 2025 Glasionomerzement an.cite-ref-0-34-0[34]

Amalgam-Verwendung international

In der EuropĂ€ischen Union werden pro Jahr etwa 74–75 Tonnen Quecksilber fĂŒr Amalgam verwendet (Stand 2016), grĂ¶ĂŸtenteils aus Frankreich (17,5 Tonnen) und Polen (10).cite-ref-kirchner-35-0[35]cite-ref-36[36] Insgesamt befinden sich etwa 1000 Tonnen Quecksilber in den ZĂ€hnen von EU-Einwohnern.cite-ref-kirchner-35-1[35] Die neun Millionen BĂŒrger Schwedens trugen 2019 einer SchĂ€tzung zufolge etwa 40 Tonnen Quecksilber in Form von AmalgamzahnfĂŒllungen,cite-ref-swedish-37-0[37] wovon jĂ€hrlich ca. 100 kg in die Umwelt ausgeschieden werden.

FĂŒr US-BĂŒrger wurde 2004 errechnet, dass sie zusammen etwa 1000 Tonnen Quecksilber in ihren ZahnfĂŒllungen haben.cite-ref-38[38] Zum Zeitpunkt von 2015 bis 2016 bestand etwa 51,5 Prozent der ZahnfĂŒllungen in der US-Bevölkerung aus Amalgam.cite-ref-39[39]

In den letzten Jahrzehnten der Sowjetunion wurde ĂŒberwiegend Kunststoff fĂŒr SeitenzahnfĂŒllungen verwendet.

Weltweiter Umgang mit Zahnamalgam

Angesichts der Umwelt- und Gesundheitsrisiken durch Quecksilber beschloss das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) im Februar 2009, ein globales Übereinkommen zu entwickeln, das alle Aspekte des Quecksilber-Lebenszyklus behandeln soll. Die entsprechenden Verhandlungen wurden im Januar 2013 abgeschlossen und das Übereinkommencite-ref-40[40] im Oktober 2013 als „Minamata-Konvention“ unterzeichnet.cite-ref-41[41] Auch wenn Zahnamalgam eine vergleichsweise geringe Quecksilberbelastung der Umwelt zur Folge hat, verpflichteten sich alle Vertragsparteien, Maßnahmen fĂŒr eine schrittweise Reduzierung („phase down“) ohne Zeitvorgabe von Dentalamalgam zu treffen. Aufgrund der Ratifizierung des Minamata-Konvention wurde in der EU 2017 eine Quecksilberverordnung erlassen. Auch hier wurde die Regelung aus GrĂŒnden des Umweltschutzes eingefĂŒhrt.cite-ref-schmalz-20-1[20]cite-ref-42[42] In einem vierten Übereinkommen wurde beschlossen, dass bei Schwangeren, stillenden Frauen, Kindern unter 15 Jahren und allgemein bei MilchzĂ€hnen Zahnamalgam nicht mehr fĂŒr eine Dentalrestauration verwendet werden soll, außer der Zahnarzt erachtet dies als nötig.cite-ref-43[43]cite-ref-44[44] Zudem soll Amalgam nur noch in verkapselter Form eingesetzt werden. Dies entspricht damit den vorausgegangenen BeschlĂŒssen in der EU.

Laut einer Pressemitteilung vom 15. Januar 2009 entschied das Umweltministerium in Schweden, den Gebrauch von Quecksilber aus UmweltschutzgrĂŒnden zum 1. Juni 2009 generell zu verbieten.cite-ref-45[45] Das Verbot bedeutete daher auch, dass der Gebrauch von Amalgam in ZahnfĂŒllungen eingestellt wird („phase out“).

Stand 2021 haben folgende LĂ€nder in Europa AmalgamfĂŒllungen verboten: Norwegencite-ref-46[46] und die Republik Moldaucite-ref-47[47] (ohne Ausnahmen) sowie Schwedencite-ref-swedish-37-1[37] und DĂ€nemarkcite-ref-48[48] (mit Ausnahmen). Andere europĂ€ische LĂ€nder haben einen Amalgam-Ausstieg beschlossen: Italiencite-ref-49[49] und Kroatiencite-ref-50[50] (bis 2025) sowie Finnlandcite-ref-51[51], die Slowakeicite-ref-52[52] und Tschechiencite-ref-53[53] (bis 2030) sowie Irlandcite-ref-54[54] (bis 2035).

Ein Gesetzentwurf der EuropĂ€ischen Kommission sieht vor, Zahnamalgam ab 1. Januar 2025 bis auf begrĂŒndete Ausnahmen ganz zu verbieten.cite-ref-55[55] Dieser mĂŒndete in der Verordnung (EU) 2024/1849 vom 13. Juni 2024. Der EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius fĂŒhrt hierfĂŒr Umwelt- und Gesundheitsbedenken an, dagegen kritisieren die BundesĂ€rztekammercite-ref-56[56] und kassenzahnĂ€rztliche Bundesvereinigung (KZBV)cite-ref-57[57] ein mögliches Verbot scharf. Die KZBV und der GKV-Spitzenverband haben sich darauf geeinigt, dass nach dem 1. Januar 2025 der GKV-Anspruch auf ZahnfĂŒllungen ohne Mehrkosten bestehen bleibt.cite-ref-58[58] Als zuzahlungsfreie Alternative erkennen die gesetzlichen Krankenkassen daher ab 2025 Glasionomerzement an.cite-ref-0-34-1[34]

Auswirkungen auf die Umwelt

In Deutschland mĂŒssen Zahnarztpraxen ihre AbwĂ€sser ĂŒber einen Amalgamabscheider reinigen. Quecksilberhaltige AbwĂ€sser fĂŒhren zu erhöhtem Aufwand in KlĂ€rwerken. Besonders belastend fĂŒr die Umwelt sind organische Quecksilberverbindungen, die im Abwasser entstehen können. So unterliegen Zahnarztpraxen besonderen GewĂ€sserschutzauflagen.cite-ref-59[59] An BehandlungsplĂ€tzen installierte Amalgamabscheider mĂŒssen gemĂ€ĂŸ Abwasserverordnung (AbwV) ĂŒber eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung verfĂŒgen oder nach Landesrecht zugelassen sein, einen Abscheidewirkungsgrad von mindestens 95 Prozent aufweisen sowie regelmĂ€ĂŸig gewartet und entleert werden. Vor Inbetriebnahme und in AbstĂ€nden von nicht lĂ€nger als fĂŒnf Jahren sind Amalgamabscheider nach Landesrecht auf ihren ordnungsgemĂ€ĂŸen Zustand zu ĂŒberprĂŒfen. Die Einleitung von amalgamhaltigem Abwasser ist generell nur mit einer behördlichen Genehmigung zulĂ€ssig.cite-ref-abfallmanager-60-0[60]

Die in der Praxis gesammelten AbfĂ€lle aus den Amalgamabscheidern, Amalgamreste und extrahierte ZĂ€hne mit AmalgamfĂŒllungen mĂŒssen kostenpflichtig bei spezialisierten Recyclingunternehmen entsorgt werden. Aufgrund des hohen Quecksilberanteils mĂŒssen diese die AmalgamabfĂ€lle als gefĂ€hrlichen Abfall (AbfallschlĂŒsselnummer 180110*) und mit dem Ziel der MetallrĂŒckgewinnung entsorgen.cite-ref-abfallmanager-60-1[60]

Gesundheitsbedenken

Siehe auch

:

Quecksilbervergiftung

Wegen des enthaltenen Quecksilbers gibt es weltweit kein anderes FĂŒllmaterial, das so hĂ€ufig und intensivcite-ref-frankenberger-6-8[6] auf mögliche GesundheitsgefĂ€hrdungen hin durch eine Vielzahl von Wissenschaftlern, nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gremien wiederholt und eingehend untersucht wurde.

In der Theorie werden zwei verschiedene Mechanismen der SchĂ€digung angenommen: Intoxikation (Vergiftung) und Allergien (insbesondere Typ-IV-Allergiencite-ref-umweltmedizinischer-21-1[21]). Die Verarbeitung von reinem Quecksilber und der hohe Quecksilbergehalt (etwa 50 %) haben bereits sehr frĂŒh eine Diskussion ĂŒber mögliche GesundheitsgefĂ€hrdungen bewirkt, die von der Verwendung von Amalgam als FĂŒllungsmaterial ausgehen könnten. Bereits 1833 brach in den USA nach der forcierten EinfĂŒhrung von Kupferamalgam als FĂŒllmaterial der sogenannte „Amalgamkrieg“ aus, der zu einem zeitweiligen Verbot des Amalgams als FĂŒllmaterial fĂŒhrte. In Deutschland flammte eine Ă€hnliche Diskussion in den 1920er Jahren auf, parallel zu der wachsenden Hinwendung zur Alternativmedizin und Kritik an der „Schulmedizin“.cite-ref-61[61]

Quecksilber wird vor allem bei der Verarbeitung und Entfernung von Zahnamalgam in Form von Quecksilberdampf aufgenommen, weniger ĂŒber anorganisches Hg2+.cite-ref-bfarm-brosch-re-10-1[10] Die mittlere, tĂ€gliche Aufnahme ist mit 1–3 ”g gering.cite-ref-mackertberglund-62-0[62] Durch Kaugummikauen kann diese signifikant erhöht werden, heiße GetrĂ€nke dagegen beeinflussen sie nicht. Über den Urin und Stuhl wird anorganisches Quecksilber ausgeschieden, die mittlere Halbwertszeit im Körper betrĂ€gt etwa 60 Tage. Zwar haben Personen mit mehreren AmalgamfĂŒllungen gering höhere Quecksilberwerte im Blut oder Urin, diese gelten aber als ungefĂ€hrlichcite-ref-fda-26-1[26]. Um selbst bei sensiblen Personen erste klinische Effekte zu beobachten, mĂŒsste die Konzentration an Quecksilber im Urin bei mindestens 30 ”g/g Kreatinin liegen – dies wĂŒrde etwa bei ĂŒber 500 im Mund befindlichen AmalgamoberflĂ€chen passieren.cite-ref-mackertberglund-62-1[62] Bei gewissen Bereichen des Zentralnervensystems kann die Halbwertszeit auch Jahre betragen.cite-ref-bfarm-brosch-re-10-2[10] Das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt, bei NierengeschĂ€digten und Schwangeren auf die Verwendung von Amalgam (bei letzteren auch dessen Entfernung) zu verzichten.cite-ref-bfarm-brosch-re-10-3[10] Anhaltspunkte fĂŒr eine SchĂ€digung des Fötus durch eine Quecksilberfreisetzung aus Amalgam gibt es nicht.cite-ref-umweltmedizinischer-21-2[21]cite-ref-zahnerhaltung-9-4[9]cite-ref-bfarm-brosch-re-10-4[10]cite-ref-hempel-17-1[17] Die EU-Entscheidung, Amalgam fĂŒr Schwangere und Jugendliche unter 15 Jahren generell zu verbieten, ist eine rein prĂ€ventive.cite-ref-hempel-17-2[17]

Im Jahre 1997 wurde in Deutschland ein Konsenspapier des Bundesgesundheitsministeriums, des BfArM sowie diverser zahnĂ€rztlicher Gesellschaften und Institutionen zum Umgang mit Amalgam veröffentlicht.cite-ref-63[63] Ähnliche Empfehlungen kamen in den letzten Jahren von der EU.

Eine 1997 formulierte Stellungnahme der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt zu dem Schluss: „Laut aktuellem Kenntnisstand sind die derzeit vorhandenen Restaurationsmaterialien, einschließlich Dentalamalgam, als sicher und zuverlĂ€ssig zu betrachten. Allerdings kommt es gelegentlich zu biologischen Gegenanzeigen. Diese sind jedoch individuell bedingt und demgemĂ€ĂŸ individuell zu behandeln. Die WHO erkennt die Notwendigkeit einer fortgesetzten Sicherheits- und WirksamkeitsĂŒberwachung aller dentalen Restaurationsmaterialien an.“cite-ref-64[64]

Im Dezember 2004 erschien eine Studie des „Life Sciences Research Office“ der USA: Eine Auswertung aller Forschungsarbeiten seit 1996 fand keinen Nachweis der GefĂ€hrdung durch AmalgamfĂŒllungen.cite-ref-65[65] Eine Multicenter-Studie aus dem Jahre 1998 konnte keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl der AmalgamfĂŒllungen bei Patienten und deren subjektiven Beurteilungen ihres Gesundheitszustands feststellen.cite-ref-66[66] Die Auffassung aus dem Jahr 2005, dass in IndustrielĂ€ndern die Hauptquelle der Quecksilberexposition die Einatmung von Quecksilberdampf aus zahnmedizinischem Amalgam sei,cite-ref-67[67] wurde durch zwei Studien der EuropĂ€ischen Kommission nicht mehr aufrechterhalten.cite-ref-68[68] Sie kam zu dem Ergebnis, dass die GefĂ€hrdung vergleichsweise gering sei.cite-ref-69[69]

Eine 2008 veröffentlichte Studie, bei der 5.000 Patienten befragt wurden, ergab „keinen bedeutenden Unterschied zwischen Patienten mit und solchen ohne Amalgam-FĂŒllungen“ hinsichtlich der Beschwerden. Es konnte aber festgestellt werden, „dass die anorganischen Quecksilberwerte im Blut von Patienten mit AmalgamfĂŒllungen viermal höher waren als bei Menschen ohne diese FĂŒllungen.“cite-ref-70[70] Diese Dosiswerte lagen aber weit unterhalb der kritischen Belastungsgrenze.

Die Studie der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen von 2008 mit 90 Patienten kam zu dem Ergebnis, dass eine Amalgamentfernung die anorganischen Quecksilberwerte im Blut senkt. Die subjektiven Beschwerden können sowohl durch die Entfernung als auch durch allgemeine Gesundheitsmaßnahmen ohne Amalgamentfernung positiv beeinflusst werden. Eine zusĂ€tzliche „biologische Detoxifikation“ mit Vitaminen und Spurenelementen erbrachte in der Amalgamentfernungsgruppe keine zusĂ€tzliche Verbesserung.cite-ref-71[71]

Am 10. MĂ€rz 2014 hat der wissenschaftliche Beratungsausschuss fĂŒr Gesundheits- und Umweltrisiken der EuropĂ€ischen Kommission, das Scientific Committee on Health and Environmental Risks (SCHER), eine Stellungnahme zu den Gesundheits- und Umweltauswirkungen von Amalgam mit dem Ergebnis veröffentlicht, dass die Gesundheits- und UmweltgefĂ€hrdung durch das in zahnĂ€rztlichem Amalgam enthaltene Quecksilber vergleichsweise gering ist. Nur unter außergewöhnlichen UmstĂ€nden (Worst-Case-Szenario), d. h. im Falle einer hohen Zahnarztdichte verbunden mit einem hohen Grad der Amalgamnutzung bei gleichzeitigem Fehlen von Amalgamabscheidern, könne nicht ausgeschlossen werden, dass auf lokaler Ebene Risiken fĂŒr Gesundheit und Umwelt bestĂŒnden. Dieses Szenario ist fĂŒr Deutschland ausgeschlossen, da hierzulande Amalgamabscheider fĂŒr Zahnarztpraxen vorgeschrieben sind.cite-ref-72[72] Hintergrund der Studie waren Forderungen Schwedens, die Verwendung von quecksilberhaltigem Amalgam europaweit aus GrĂŒnden des Umwelt- und Gesundheitsschutzes zu verbieten.cite-ref-73[73] Der Ausschuss SCENIHR (Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks) schloss sich 2015 der Ansicht des SCHER an.cite-ref-74[74] GemĂ€ĂŸ Studienlage zeigen sich keine unmittelbaren toxikologischen Effekte des zahnĂ€rztlichen Personals oder des Patienten beim Setzen oder Entfernen von AmalgamfĂŒllungen, und empfiehlt nicht den pauschalen Austausch intakter AmalgamfĂŒllungen. SCENIHR weist darauf hin, dass alternative ZahnfĂŒllungen toxologisch nicht unbedenklich seien, sieht aber Bedarf nach weiteren Untersuchungen zur potentiellen NeurotoxizitĂ€t des Quecksilbers von AmalgamfĂŒllungen. Die Empfehlung des SCENIHR, bei MilchzĂ€hnen auf die Verwendung von Dentalamalgam im Allgemeinen zu verzichten, beruht nicht auf eventuellen toxischen SchĂ€den.cite-ref-frankenberger-6-9[6] Stattdessen sind MilchzĂ€hne nur eine begrenzte Zeit im Mund, so dass die Langlebigkeit von AmalgamfĂŒllungen nicht zum Tragen kĂ€me.

Das Oberlandesgericht Hamm hat am 4. MĂ€rz 2016 in einem Urteil festgestellt, dass die Verwendung von Amalgam bei ZahnfĂŒllungen grundsĂ€tzlich unbedenklich ist.cite-ref-75[75]

Wie die BundeszahnĂ€rztekammer (BZÄK) im Juni 2018 in einem Positionspapier zur EU-Quecksilberverordnung bemerkt, konnte bisher jedoch keine Studie nachweisen, dass AmalgamfĂŒllungen in einem ursĂ€chlichen Zusammenhang mit degenerativen Krankheiten, anderen Krankheiten oder sonstigen unspezifischen Symptomen stehen.cite-ref-eu-quecksilberverordnung-22-1[22] Auch die FDA sieht keine Anhaltspunkte dafĂŒr, dass Dentalamalgam gesundheitsschĂ€dlich ist.cite-ref-fda-26-2[26]

Die Internationale Vereinigung fĂŒr zahnĂ€rztliche Forschung (IADR) bestĂ€tigte in einer Stellungnahme von 2020cite-ref-76[76] die Sicherheit von Zahnamalgam fĂŒr die allgemeine Bevölkerung (ohne Allergien gegen Amalgambestandteile oder ohne schwere Nierenerkrankungen).cite-ref-frankenberger-6-10[6]

In einer gemeinsamen Stellungnahme vom MĂ€rz 2021 fordern BZÄK und die KassenzahnĂ€rztliche Bundesvereinigung (KZBV) die Weiterverwendung von Zahnamalgam und positionieren sich gegen ein Verbot.cite-ref-77[77] Sie weisen darauf hin, dass das FĂŒllungsmaterial auf eine mögliche GesundheitsgefĂ€hrdung hin „intensiv“ untersucht wurde; es gebe aber keinen Nachweis fĂŒr die These, dass das „Vorhandensein von AmalgamfĂŒllungen in der Allgemeinbevölkerung in einem ursĂ€chlichen Zusammenhang fĂŒr Krankheiten steht“.

Psychogene Amalgamintoleranz

Gerhard Kreyer wies im Februar 2009 auf der Fortbildungsveranstaltung „Zahn und Psyche“ auf die „psychogene Amalgamintoleranz“ hin, bei der die betroffenen Patienten nahezu alle Beschwerden in der Humanpathologie angeben und auf das Amalgam zurĂŒckfĂŒhrten. Es ließen sich aber keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Zahl der AmalgamfĂŒllungen mit dem Beschwerdebild nachweisen.cite-ref-78[78] Es gibt Menschen, die psychisch leiden, wenn der Arzt ihnen AmalgamfĂŒllungen legt. Das Ă€ußert sich auch körperlich: Sie leiden an Unwohlsein, hektischen Flecken und Stress. Diese Probleme bessern sich, wenn sie wissen, dass der Zahnarzt die FĂŒllungen entfernt.cite-ref-79[79]

Eine sogenannte „Amalgamerkrankung“ aufgrund des Amalgams gibt es nicht, sie geht auf eine Amalgamphobie zurĂŒck.cite-ref-hilp-7-2[7] So fanden sich bei einer „selbstvermuteten Amalgamerkrankung“ (bei „amalgamsensitive[n] Personen“) keine spezifischen Biomarker, z. B. erhöhte Quecksilberkonzentrationen in Urin, Blut und Speichel oder andere Amalgam-/Quecksilber-Indikatoren.cite-ref-80[80] Im Gegensatz zu amalgam-non-sensitiven Personen fand man aber bei amalgamsensitiven Personen deutlich erhöhte Anzeichen fĂŒr Somatisierung, Ängstlichkeit und DepressivitĂ€t.

Diagnostik

Die individuelle Belastung kann mittels Labortests bestimmt werden.cite-ref-umweltmedizinischer-21-3[21]

Eine praktikable und gut standardisierte Methode, eine amalgambedingte Quecksilberbelastung abschĂ€tzen zu können, stellt die Urinprobe dar – hierbei ist der Sammelurin oder Morgenurin geeignet. Abzugrenzen ist aber ein gerade im alternativmedizinischen Bereich angewendeter Urintest nach Gabe von Komplexbildnern wie DMPS.cite-ref-81[81] Denn diese Diagnoseverfahren sind weder standardisiert, noch werden sie einheitlich durchgefĂŒhrt – dies fĂŒhrt zu gravierenden Unterschieden bei den Testergebnissen.

FĂŒr die Bestimmung einer internen Quecksilberbelastung aufgrund Zahnamalgams ist eine Blutprobe aus Vollblut ungeeignet, da dieses neben anorganischem Quecksilber (ĂŒberwiegend im Blutplasma) auch organisches Quecksilber (vorwiegend in den Erythrozyten) enthĂ€lt.cite-ref-umweltmedizinischer-21-4[21] Daher wird bei einer Blutprobe empfohlen, den Hg-Anteil nur im Blutplasma oder -serum zu bestimmen. Die ÜberprĂŒfung aus dem Speichel (beispielsweise mittels eines Kaugummitests) ist ebenfalls nicht geeignet – hierbei werden auch nicht resorbierbare Quecksilberanteile aus z. B. Legierungspartikeln erfasst und verfĂ€lschen so das Ergebnis. Da im Gegensatz zu organischem Hg (z. B. aus dem Verzehr von Fischen) anorganisches Hg aus Zahnamalgam sehr schlecht in die Haarmatrix eingebaut wird, ist eine Haarprobe ebenso nicht geeignet.cite-ref-umweltmedizinischer-21-5[21]

Literatur

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Weblinks

Commons

: Fillings

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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‱ EU Mercury Regulation - Implementation tracker, Health Care Without Harm

Einzelnachweise

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danach fĂŒlle das Loch mit Amalgam, hergestellt aus Vitriol** und Quecksilber, wie folgt: Löse Vitriol mit starker SĂ€ure in einer Schale, fĂŒge in genĂŒgender Menge Quecksilber hinzu. Dann soll es gekocht werden, und das Quecksilber verwandelt sich zu Amalgam, und dieses Amalgam tue in das Loch des Zahnes, und es erhĂ€rtet wie Stein und hĂ€lt in jedem Loch fest.‘“
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